Vorbild in Wintersaison

Tausend Blätter
gefallen. Ohne Täter.
Entrissen. Verweht.
Vergessen, was lebt.
Verdeckt in Schnee. Eingefroren
die Seele. Alles verloren.
Eiskalt. Ohne Blätter. Wie schwer allein
jener Baum. Und doch nie geweint?

…nach Schnee und Eis
Sonne, Frühling und heiß.
Neu. Mit Leben.
Blätter entstehen
für der Alten statt.
Stahle Kraft jedes Blatt.
Was voll Wunder. Hat doch alles verloren.
Doch nie geweint. Ist einfach wieder geboren..

Martin Bücherl

Re-Cycling am Sonntag

Geritten über Esel, fast Pferde.
Taub, nicht blind.

Lass Bunker stehen, such Erde,
Laub. Wie Kind.

Immer rauf! Schrie einer
wie ein Neugeborenes.

Alt kauf ich nie mehr,
ich leck mein Gefrorenes.

Martin Bücherl

Wann bin Ich

Hauch
in Zart.
Flüster
wie leise.

Lichter
brechen,
über Regen
den Bogen.

Blick
aus Augen,
wie Voll
und in Wert.

Los
gelöst
brechen
Wellen

die Wogen.
Zerfällt Korn
in Staub,
ohne Dich.

Feuer
im Stern,
im Himmel
ganz Oben..

.. mit Dir nur
bin Ich.

Martin Bücherl

Eins

Deine Feder.
Feuerrot. Aus Kristall.
Unverwüstlich, jene Leidenschaft..

Meine Tinte.
Tiefschwarz. Aus Ewigkeit.
Unstillbar, jene Sehnsucht..

Unser Papier.
Jungfernweiß. Aus Diamant.
Unauslöschbar, jene Liebe..

Schreib, Feder! Lass uns leben …

Martin Bücherl

Realität

Nicht eine lebende Zelle erklärt sich zur Zelle.
Sie selbst ist keine Zelle.
Erst Deine Definition der Summe ihrer Eigenschaften
erschafft aus dem Einzigartigen eine Zelle.

Nicht das Universum erklärt sich zum Universum.
Es selbst ist kein Universum.
Erst Deine Definition der Summe seiner Eigenschaften
erschafft aus dem Einzigartigen ein Universum.

Nicht die Realität erklärt sich zur Realität.
Sie selbst ist keine Realität.
Erst Deine Definition der Summe ihrer Eigenschaften
erschafft aus Einzigartigkeit eine Realität.

Deine Realität ist nur ein Spiegel.
Ein Spiegel Deiner Wahrnehmung.
Dein Bild ist nur Definition.
Eine Definition Deiner Erfahrungen.

Beende das Definieren,
und Du erkennst
in jedem Augenblick
das Einzigartige.

Hör auf Realität zu erschaffen,
und Du entdeckst
in Deiner Seele
mehr als einen Spiegel.

Du entdeckst Dich Selbst.

Martin Bücherl

Andere Lichter

Um über seinen eigenen Schatten zu springen,
muss man erst alle anderen Lichter ausschalten.

Martin Bücherl

Du hast Recht

Es stimmt.
Ich bin kein Model.
Ich bin kein Muskel-Paket
und viel Geld habe ich auch nicht.
Aber ich weiß, was Du denkst,
wenn Du traurig nach Hause kommst.
Ich suche für Dich bodenlos Tiefgründiges
und Du entdeckst Dein grenzenloses Vertrauen..

Du hast Recht.
Ich kann nicht singen.
Ich nehme keine CDs auf
und eine große Wohnung habe ich auch nicht.
Aber ich weiß, wonach Du Dich sehnst,
wenn all die kleinen Dinge der Welt immer weniger werden.
Ich suche für Dich bunte Farben
und Du findest Deine leisen Synfonien..

Es ist richtig.
Ich bin kein Gangster, kein Kiffer und kein Dealer.
Ich habe noch nie geraucht
und Alkohol getrunken habe ich auch nicht.
Aber ich weiß, was Du vermisst,
wenn Dir alles um Dich herum zu viel wird.
Ich suche für Dich eine weite Tür
und Du findest Deinen offenen Geist..

Es ist so.
Ich kann nicht rappen.
Ich war noch nie auf Festivals
und ein Fabel für Hip Hop habe ich auch nicht.
Aber ich weiß, wonach Du suchst,
wenn Dich der Puls der Stadt immer schneller jagt.
Ich suche für Dich einsam Verlorenes
und Du findest Dein glückliches Herz..

Ja.
Ich bin nicht Perfekt.
Ich habe Schwächen
und ohne Fehler bin ich auch nicht.
Aber ich weiß, was Du brauchst,
wenn Du Dich über Dein eigenes Missgeschick ärgerst.
Ich suche für Dich unbedeutende Unzulänglichkeiten
und Du entdeckst Deine unvergleichliche Seele..

Martin Bücherl

Berg

Der Mann, der den Berg abtrug,
war derselbe, der anfing,
kleine Steine weg zu tragen.

Chinesisches Sprichwort

Unter dem Wasserfall

Sand.
Tausend Korn
zum Damm gebaut.
Tage gehalten,
doch das Wasser kam wieder.

Holz.
Harter Stamm
zum Damm gebaut.
Monate gewehrt,
jenes Wasser fand den Weg.

Stein.
Schweres Mauerwerk
zum Damm gebaut.
Jahre verteidigt.
Und das Wasser war stärker..

Sonne?
Gar Mond dort oben?
Fühle keine Zeit. Nichts.
Wie Ewig starr.
Mein Auge ohne Licht nach Oben.

Wasser.
Schlägt mein Gesicht.
Kein Werk Einhalt geboten.
Freiem, harten Nass.
Flutet. Verwäscht. Fällt.

Findet
mein Geist Wege?
Das Wasser oben
zu halten, morgen?.. Seele
gebrochen am steten Fall.

Standhaft
zerbrochen.. Doch was?
Gezogen. Gezerrt. Gerissen.
Land unter mir? Ohne Wasser..
Jene Jahre selbst zerbrochen?

Wunder
im Gras. So lieg ich.
Hören. Sehen. Riechen.
Alles neu. Ein Gefühl,
gar Liebe? Ich danke Dir,
Du mein tiefblauer Saphir..

Martin Bücherl

Der Text

Mein Leben.
So unbedeutend, passt es doch
in diese Zeilen.

Soll Dir geben
einen Weg aus jedem Loch.
Zu verweilen

Dein Blick.
Hier? Wäre voll Glück.
Gibst doch meinem Sein

sein’ Sinn.
Als Text nur ein Stück,
bin ich gelesen für immer Dein.

Martin Bücherl

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